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Twentynine Palms

Nur Leere, keine Liebe

Kinostart: 12.4.2007 | Silke Kettelhake | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Ein Mann und eine Frau. Die Hitze, die Wüste, der Sex. Immer geradeaus führen die Highways aus L.A., hinein in die urzeitliche verkarstete Landschaft der Mojave Wüste. Twentynine Palms heißt der Durchgangsort, an dem die beiden stranden, in einem amerikanischen Motel mit Fernseher, Dusche und hellhörigen Wänden. Alles ganz normal. Ein Pärchen auf Weekend-Abenteuer; Katia, eine Russin, die weder über ein Mobiltelefon noch über weitere Verbindungen zu verfügen scheint, und David, der Fotograf auf Motivsuche, verständigen sich rudimentär auf Französisch. Die Sprache der Liebe.

Viel zu sagen haben sich die beiden nicht und wenn Nichtkommunikation auch Kommunikation bedeutet, dann heißt das: Lass uns ficken! Nun gut, so weit, ausgedehnte Liebesspiele im Pool, im Bett und die Kamera, wie auch in den Erstlingsfilmen von Bruno Dumont – "La Vie de Jésus" (1997) oder "L'Humanité" (1999) – ganz dicht dran am Akt. Rammeln gegen die Leere, gegen die Langeweile. Rein, raus, und fertig. Bis zum nächsten Mal. Für viele, zumindest die, die nicht dürfen oder nicht können, wie sie wollen, der Traum von der Vögelfreiheit. Doch das plakative, voyeuristische Zeigen der ach so freien Liebe wirkt ähnlich befremdlich wie der Besuch im Supermarkt eines Nudistencamps. Fleisch und Felsen, Felsen und Fleisch, Geschlechtsteileshow verpackt als Land Art auf 35 Millimetern ... und in langen 119 Minuten. David gibt sich alle Mühe: Sein guttural hirschähnliches Grunzen füllt den Kinosaal und Katia hechelt wie im Geburtsvorbereitungskurs. Immer wieder klatschen die nackten Leiber aufeinander und man freut sich richtig, dass die beiden auch einmal ein Eis essen gehen dürfen.

"Twentynine Palms" will keinesfalls Hardcore zeigen, sondern stellt Kunstanspruch. Mittels der pornografischen Einlagen versucht der bemühte Filmer Dumont Grenzen zu überschreiten: eine aufregende Provokation des für Vergnügen und Kultur zahlenden Bürgertums wie auf der Bühne ihre Notdurft verrichtende Schauspieler des Berliner Castorf-Ensembles. Scheiße, Blut und Kotze oder ein ordentlich schleimiger Samenerguss – welche behüteten Söhne und Töchter kann denn die Urbarmachung frühkindlicher Aggressionszustände und die Zurschaustellung der Körpersäfte noch beeindrucken? Zumindest will Dumont, dass wir zugucken und uns über die Leere und die Sinnlosigkeit einer scheiternden Liebe Gedanken machen.

Dazu ist ja auch reichlich Zeit und Gelegenheit. Das Weib hat immer bereit zu sein, egal wie trocken sprich unerregt sie ist."Mach dich auf!", lautet der Befehl und schon wird sie von David brutal genommen. So muss das sein. Wird sie zickig, setzt er sie kurzerhand auf die nächtliche Landstraße, johlende Trucker brausen vorbei. Ach, Katia. Zum lang verzögerten Showdown wird sie büßen müssen mit der Ausschlachtung ihres Unterleibs.

Das war keine Liebe.
Silke Kettelhake

Twentynine Palms, Frankreich, Deutschland, USA 2003, Buch und Regie: Bruno Dumont, mit Katia Golubeva, David Wissak, OmU, Kinostart: 12. April 2007 bei Second Order

Foto: Verleih


http://tadrart.com/29palms/splash.htm
Website zum Film (französisch, englisch)
www.secondorder.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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