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Blütendrucken im KZ – auf eine derart miese Idee konnten auch nur die Nazis kommen. Zwischen 1942 und 1945 wurden jüdische Häftlinge im Konzentrationslager Sachsenhausen dazu gezwungen, im großen Stil Dollar- und Pfundnoten zu fälschen. Ziel des "Unternehmen Bernhard" war es, mit den gefälschten Millionenbeträgen die Währungen der Kriegsgegner zu destabilisieren. Der große "Vorteil": Hinterher gibt es keine Zeugen. Aus dieser unglaublichen und gerne verschwiegenen Geschichte hat der Österreicher Stefan Ruzowitzky ("Anatomie 2", 2003) nun einen Film gemacht.
Im Mittelpunkt steht der Fälscherkönig Sorowitsch. Er leitet die Häftlingsgruppe, die in zwei abgetrennten Baracken ein für KZ-Verhältnisse "gutes" Leben führt: anständiges Essen, warme Betten, eine Tischtennisplatte. Von nebenan hört man das Schreien und Sterben der weniger Privilegierten. Sorowitsch steht in einem permanenten Gewissenskonflikt. Einerseits unterstützt er mit seinem genialen Handwerk die Mordmaschine der Nazis. Andererseits wahrt er sich und den anderen die winzige Chance zum Überleben. Mit einer Mischung aus Ganovenehre und Opportunismus versucht er sich aus der Affäre zu ziehen.
Dem Film gelingt dasselbe Kunststück nicht ohne weiteres. Man spürt Ruzowitzkys Willen, hier ein großes Gaunerstück abzuziehen, den etwas anderen KZ-Film: Sorowitsch foppt die Nazis und entscheidet damit mehr oder weniger den Krieg. Doch der Film weiß selbst, dass die Geschichte das nicht hergibt. Der
Holocaust ist ein Thema, kein Genre, mit dem sich beliebig umspringen lässt. So klammert er sich an das exemplarisch durchexerzierte moralische Dilemma, das nun mal nicht zu lösen ist – und läuft bald leer. Ausgerechnet die Figur des Zeitzeugen und Buchautors Adolf Burger, gespielt von August Diehl, trägt dazu entscheidend bei. Als Idealist sabotiert er Sorowitschs Erfolge, bringt damit alle in Gefahr, ohne dem Charakter die nötige Tiefe zu geben. Unter vielen solch eindimensionalen Figuren sticht nur der knorrige Karl Markovics hervor, als herrlich zwielichtiger Sorowitsch ein echter Anti-Held. Aber die Frage, ob dieser schwierige Film das Potenzial zu mehr gehabt hätte, ist leider spannender als der Film selbst.
Philipp BühlerDie Fälscher, Deutschland, Österreich 2006, Buch und Regie: Stefan Ruzowitzky nach dem Bericht "Des Teufels Werkstatt" von Adolf Burger, mit Karl Markovics, August Diehl, Devid Striesow, Martin Brambach, August Zirner, Veit Stübner, Sebastian Urzendowsky, Andreas Schmidt, Kinostart: 22. März 2007 bei Universum
Foto: Verleih
www.diefaelscher.atWebsite zum Film (deutsch)
www.filmportal.deInfos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
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