Babooska

Alltag unter der Zirkuskuppel

Kinostart: 15.2.2007 | Andreas Resch | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Babooska hat Geburtstag: Sie wird zwanzig. Dicht gedrängt sitzt sie mit ihrer Familie am Esstisch, es gibt Kuchen, danach wird gesungen. Später sieht man die junge Frau beim Strandspaziergang, in der Kneipe mit ihrem Freund oder dabei, wie sie ihrer kleinen Tochter Azzurra bei den Hausaufgaben hilft. Der ganz normale Alltag einer jungen Mutter eben – mit dem kleinen Unterschied, dass Babooska aus einer Dynastie von Zirkusartisten/innen stammt, die seit Generationen in einem Wohnwagen das Land durchquert.
Die Filmemacher Tizza Covi und Rainer Frimmel haben Babooska und ihre Familie ein Jahr lang auf ihrer Tour durch ihre italienische Heimat begleitet und sich dabei bewusst mehr auf ihren Lebens- als auf den Zirkusalltag konzentriert. "Wir wissen, dass beim Publikum eine Erwartungshaltung da ist, vom Bühnengeschehen möglichst viel zu sehen", sagt Rainer Frimmel über seinen Film. Aber gerade daran seien er und Tizza Covi weniger interessiert gewesen. Denn Babooskas Leben sei nun einmal von eher alltäglichen Pflichten geprägt, da für die ein bis zwei Auftritte pro Woche kaum trainiert werden müsse. Und so ist der Film dann auch so etwas wie ein Road-Movie in Zeitlupe geworden. Die zurückgelegten Distanzen sind gering, eine Woche gleicht der nächsten: Manege aufbauen, auf die Vorstellungen warten, Manege abbauen, weiterfahren.

"Babooska" kommt ohne Off-Kommentar oder Interviews aus und beschränkt sich stattdessen darauf zu beobachten. Das ist gut, denn dadurch ist der Blick intimer, unverstellter. Bewusst haben sich die Filmemacher bei den Aufnahmen zurückgenommen, um nah bei ihren Protagonisten/innen sein zu können. Durch ihre Entscheidung, Babooskas Auftritte weitgehend auszusparen, wird den Zuschauern/innen allerdings die Möglichkeit genommen herauszufinden, warum die Familie ein solches Leben voller Entbehrungen und Zukunftsängste überhaupt auf sich nimmt.

Denn so erfährt man hauptsächlich etwas über die Schattenseiten des Unterwegsseins, etwa wenn Babooska am Silvesterabend rauchend im Wohnwagen sitzt oder Azzurra erzählt, sie habe innerhalb eines Jahres 28 verschiedene Schulen besucht. In anderen Szenen sieht man Babooskas Freund mit einem Restaurantbesitzer streiten oder ihren Vater völlig erledigt am Esstisch sitzen – zu müde, um Messer und Gabel halten zu können. Der Film endet so, wie er begonnen hat: mit Babooskas Geburtstag. Im Gegensatz zum letzten Jahr hat sie nur eine Kerze bekommen, weshalb sie diese 21 Mal anzündet und wieder ausbläst. Was sich ansonsten im Verlauf der letzten zwölf Monate verändert hat? Nicht viel.
Andreas Resch

Babooska, Dokumentarfilm, Österreich, Italien 2005, Buch und Regie: Tizza Covi, Rainer Frimmel, mit Babooska Gerardi, Azzurra Gerardi, Michele Pellegrini, Marina de Vincentis, Ciccio Gerardi, Patrizia Gerardi, Walter Saabel, OmU, Kinostart: 15. Februar 2007 bei Salzgeber

Foto: Verleih


www.delicatessen.org
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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