Wassup Rockers

Ab nach Beverly Hills

Kinostart: 30.11.2006 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Ein neuer Larry-Clark-Film ist eigentlich immer ein Ereignis, selbst wenn er so unspektakulär daherkommt wie "Wassup Rockers". Im Mittelpunkt stehen sieben Latino-Skatepunks aus South Central Los Angeles auf ihrer Odyssee durch Beverly Hills. Clark ist für seine direkten, mitunter auch voyeuristischen Teenager-Porträts berühmt wie berüchtigt; aber ohne diese intime Nähe wären seine Filme nicht das Zelluloid wert, auf dem sie gedreht sind. "Wassup Rockers" geht weiter als alle bisherigen Filme von Clark. Ohne offensichtliches inhaltliches Konzept beobachtet er einfach die Kids – alles Laienschauspieler – in ihrer Freizeit: im Proberaum (der Latino-Skatepunk-Soundtrack ist grandios), beim Skaten (mit mäßigem Erfolg) und beim Flirten mit den Mädchen. Einer ihrer Freunde ist gerade bei einem Drive-by-Shooting umgekommen, aber die Gewalt ist bereits so alltäglich, dass sie sich die Trauer über seinen Tod kaum anmerken lassen. Stattdessen "leihen" sie sich den Wagen eines ihrer Brüder und machen sich zu siebt auf nach Beverly Hills, wo es noch unerschlossene Skate-Parcours geben soll. Auf dem Weg dorthin kriegen sie es mit rassistischen Streifenpolizisten, frühreifen High-Society-Mädchen, deren aggressiven Brüdern, schwulen Fashion-Hipstern und schießwütigen Alt-Schauspielern zu tun.
"Wassup Rockers" ist so flüchtig und fragmentarisch erzählt, dass man darüber beinah Clarks seltene Beobachtungsgabe vergisst. Der Höhepunkt von "Wassup Rockers" ist ein fast zehnminütiger Dialog zwischen einem der Jungen und einem Mädchen, halbnackt auf dem Bett, so wie Clark seine Darsteller/innen am liebsten filmt. Aus dem zögerlichen Geplauder wird langsam ein ernsthaftes Gespräch, merklich improvisiert, über das Leben im "Ghetto", Freunde und Familie.

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Clarks Filme immer wieder zu solch einer Genauigkeit finden. Man sieht "Wassup Rockers" deutlich an, dass Clark kein Konzept verfolgt, dass es ihm immer nur um vereinzelte Momente von Wahrhaftigkeit geht. Auch darum muss man ihm seine groben Albernheiten manchmal nachsehen. Im Vergleich zu "Kids" (1995) oder "Ken Park" (2002) ist "Wassup Rockers" ein noch ungeschliffener Rohdiamant. Aber nie war Clark näher dran an seinen Figuren.
Andreas Busche

(Wassup Rockers) USA 2005, Regie: Larry Clark, Buch: Larry Clark, Matthew Frost, mit Jonathan Velasquez, Milton Velasquez, Yunior Usualdo Panameno, Eduardo Velasquez, Luis Rojas-Salgado, Carlos Velasco, OmU, Kinostart in Berlin: 30. November 2006 bei 3L

Foto: Verleih


www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database




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