Casino Royale

James Bond und seine erste Mission

Kinostart: 23.11.2006 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Den Plan kann sich nur Blofeld persönlich ausgedacht haben. Im neuen Bond fehlt praktisch alles, was das Leben mit einem Geheimagenten lebenswert machte. Es gibt keine Moneypenny und keinen Q, also auch keine Sprengkoffer und Laseruhren; keine sturzdummen Bond-Girls, keine sexistischen Witze auf ihre Kosten; keinen durchgeknallten Superschurken, der die Welt beherrschen will; kein Superschurkenhauptquartier, das Bond eine halbe Stunde vor Schluss (danach konnte man seine Laseruhr stellen) in die Luft sprengt. Es fehlt, kurz gesagt, jene britische Ironie, die den Agenten seiner Majestät von anderen Actionhelden unterschied.

Richtig ist allerdings, dass sich der Welt erfolgreichste Franchise-Serie totgelaufen hatte. So gesehen erhält Bond in "Casino Royale" eine dringend benötigte Frischzellenkur. Codename: Daniel Craig. Im Vorfeld als Memme beschimpft, ist der neue Bond härter und männlicher als seine Vorgänger. Kein parfümierter Dandy im Smoking, eher ein proletarischer Schläger mit Staub zwischen den Zähnen. Das Töten von Menschen ist für ihn kein Spaß, sondern Schwerstarbeit. Wenn er getroffen wird, tut es richtig weh. Mehr Glaubwürdigkeit verleiht auch der insgesamt modernere, reduzierte Look des Films, der sich um Glamour so wenig schert wie der neue Bond um seinen Martini.
Verfilmt wurde mit "Casino Royale" der erste Bond-Roman seines Erfinders Ian Fleming, nach jahrzehntelangem Rechtsstreit. Wir sehen also die ersten Heldentaten der Doppelnull. Bond begins, oder auch: back to the roots. Der Inhalt ist eigentlich egal, aber gut: Die Lizenz zum Töten gerade erst in der Tasche, muss 007 seinen Gegenspieler Le Chiffre beim Poker besiegen, zur Verhinderung kostspieliger Schandtaten. Und jetzt aufgepasst: Wer genau hinsieht, wird in diesen und anderen Szenen viele Bond-Standards verschlüsselt wiederfinden. Etwa wenn der vergiftete Agent statt einer Bombenexplosion einen Herzstillstand verhindern muss – seinen eigenen. Dazu kommt eine Liebesgeschichte mit seiner Kollegin Vesper Lynd (Eva Green) – Bond kann jetzt wirklich alles, sogar sich verlieben –, die sein gestörtes Verhältnis zu Frauen in den "späteren" Filmen erklärt. Der ganze Unsinn macht plötzlich Sinn. Großartig. Und weil man bekanntlich zweimal lebt, das nächste Mal bitte wieder mit Laseruhr!
Philipp Bühler

Casino Royale, USA, Großbritannien 2006, Regie: Martin Campbell, Buch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade nach dem Roman von Ian Fleming, mit Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen, Caterina Murino, Judi Dench, Jeffrey Wright, Giancarlo Giannini, Ivana Milicevic, Clemens Schick, Jürgen Tarrach, Kinostart: 23. November 2006 bei Sony Pictures

Foto: Verleih


www.sonypictures.com
Website zum Film (englisch, deutsch, französisch, u.a.)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film




Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)