Shortbus

Sex and the City

Kinostart: 19.10.2006 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Von der ersten Minute an macht John Cameron Mitchell unmissverständlich klar, dass es in "Shortbus" darum geht, Spaß zu haben – in jeder erdenklichen Position und unabhängig von der sexuellen Präferenz (Junge auf Junge ist ihm natürlich am liebsten). Ex-Stricher James verbiegt seinen knackigen Körper, bis er das Kunststück fertig bringt, sich selbst einen zu blasen. Sextherapeutin Sofia treibt es mit ihrem Mann einmal quer durch die Wohnung und zurück. Und Domina Severin bestraft ihren Sklaven für sein vorlautes Mundwerk ("Stell dir vor, du stehst am Ground Zero und posierst für ein Foto. Lachst du?"). Dabei gleitet die Kamera voyeuristisch in die Apartments und wieder aus ihnen heraus ("Voyeurismus ist Partizipation", heißt es irgendwann in Film) und schwebt zwischendurch zu einem flockigen Jazz-Soundtrack über eine erleuchtete Modellstadt, die New York ist. Die Stadt, die niemals schläft. Die Eröffnungsszene von "Shortbus" ist zweifellos die tollste Jazz/Porn-Idee seit Stephen Sayadians "Nightdreams" (1981), in dem eine Packung Cornflakes einen Blowjob kriegt, während eine Scheibe Toast dazu Saxophon spielt.
Nicht die Freizügigkeit von "Shortbus" ist das eigentlich Verblüffende an Mitchells zweitem Spielfilm nach der Transsexuellen-Rock'n'Roll-Komödie "Hedwig and the Angry Inch" (2001), sondern wie schnell man sich als Zuschauer/in an die Schwänze, das Masturbieren, das ganze Gevögel und Geblase gewöhnt hat. Mitchell hängt dem alten Traum der Porno-Industrie an, narrativ gehaltvolle Spielfilme mit sexuell expliziten Handlungen zu verbinden. Trotzdem wird man nie ganz das Gefühl los, dass die Geschichte von "Shortbus" vor allem als Vorwand für heiße Körperakrobatik dient.

Episodenhaft taumelt Mitchells Film für einige Tage und Nächte mit einer Hand voll neurotischer, verklemmter, frustrierter und hedonistischer Nachtgestalten durch den sexuellen Underground New Yorks. Dreh- und Angelpunkt ist das Shortbus, eine Art Swinger Club für Kunden mit einem Hang zum Extravagant-Experimentellen. Bei den Szenen im Club blüht Mitchell dann auch richtig auf. Der Charme des Improvisierten erinnert stark an die Filme von Greg Araki, der wie Mitchell gerne mit Laien arbeitet. Zu schwächeln beginnt "Shortbus" ausgerechnet dann, wenn der Film im letzten Drittel unnötigerweise zu dramatisieren beginnt und darüber völlig auseinander fällt. Trotzdem muss man "Shortbus" einfach zugute halten, dass Sex im Kino noch nie nach so viel Spaß ausgesehen hat. Oder wann hat man je einen schwulen Dreier gesehen, bei dem sich die Jungs die US-amerikanische Nationalhymne in ihre Arschlöcher singen?
Andreas Busche

Shortbus, USA 2006, Buch und Regie: John Cameron Mitchell, mit Lee Sook-Yin, Paul Dawson, Lindsay Beamish, PJ DeBoy, Raphael Barker, Jay Brannan, Peter Stickles, Justin Bond, ab 18, Kinostart: 19. Oktober 2006 bei Senator

Foto: Verleih


www.shortbusthemovie.com
Website zum Film (englisch)
www.senator.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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