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Japón

Außergewöhnlich, bildgewaltig

Kinostart: 4.6.2003 | Cristina Moles Kaupp | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Ein Fremder sucht seinen Weg, kämpft sich hinkend durch das steinige Hochland Mexikos. Er hat die 50 längst überschritten, und man wundert sich, wo er hin will, so ohne Gepäck. Jäger bringen ihn in ein Dorf im Tal, und wie diese wilde, schöne und karge Landschaft während der Fahrt vorbeihuscht, verdichtet sie sich plötzlich zu hellem Nebel. Statt ihrer rücken die Züge des Namenlosen in den Vordergrund, und damit etwas Geheimnisvolles, Unergründliches. Was hat den Mann in diese Gegend zu den einfachen Menschen getrieben? Er sucht Unterschlupf und findet ihn schließlich in der ärmlichen Behausung der alten Ascen. Sie hat nur wenig zu teilen, und wovon sie zu viel hat - Jesusfiguren vorm Schlafzimmeraltar - davon will der Mann nichts wissen. So was im tief religiösen Mexiko! Den Mann treibt eine andere Sehnsucht: der Tod. Sein Fetisch ist ein Revolver, abends schiebt er den langen, dünnen Lauf unter sein Hemd. Eine zärtliche Geste, dann drückt er ab - zur Probe nur - und masturbiert.

Das Zurückgeworfensein auf die nackte Existenz ist Thema dieses außergewöhnlichen, bildgewaltigen Films. Sein Titel "Japón" bleibt rätselhaft, konfrontiert mit klaren kompromisslosen Bildern. Schon in den ersten Minuten reißt der Mann einer angeschossenen Taube den Kopf ab, später wird er sich in seiner Verzweiflung neben einen Pferdekadaver legen. Die Kamera jagt nach solchen Bildern, weidet sich daran, um sich dann wieder dem Weg des Fremden zu widmen - mal aus subjektiv verwackelter Sicht, mal schielt sie auch nur aus der Ferne auf ihn runter.

Der Mann und Ascen nähern sich wortkarg an. Nach einem gemeinsamen Joint teilt er mit ihr seine Musik - ernste Klänge von Pärt, Schostakovitsch und Bach. Dann begehrt er ihren zerschundenen alten Körper. Ascen wird sich nicht nur seiner Begierde unterwerfen, sondern auch den Befehlen ihres rücksichtslosen Neffen. Der wird ihr Haus einreißen, der Steine wegen, als gäbe es in dieser Gegend nicht genug. Dass er damit ihr Ende besiegelt, nimmt Ascen klaglos hin. Die Greisin beweist eine innerliche Stärke, die andere als Dummheit abtun, dem Mann jedoch eine wichtige Lektion erteilt. Regisseur Carlos Reygadas hat seiner Darstellerin Höchstleistungen abverlangt, wie alle anderen hatte sie mit Film bislang nichts zu tun. Trotzdem wirkt hier nichts gekünstelt oder halbgar. "Japón" zelebriert beispiellos eine ursprüngliche Kraft.
Cristina Moles Kaupp

(Japón) Mexiko, Spanien 2002, Buch und Regie: Carlos Reygadas, mit Alejandro Ferretis, Magdalena Flores, Yolanda Villa, Luis Martín Serrano, Rolando Hernández, Bernabé Pérez, Carlos Reygadas Barquín, Fernando Benítez, OmU, Kinostart: 5. Juni 2003 bei Arsenal Filmverleih

Foto: Verleih



www.arsenalfilm.de/japon/
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database




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