Alibi

Katz-und-Maus-Spiel

Kinostart: 22.6.2006 | Ernst Kramer | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Steve Coogan, Englands bester Komödiant, hatte bisher nicht immer ein glückliches Händchen bei der Auswahl seiner Filmprojekte. Grandios "24 Hour Party People" (2002), unsäglich die Agenten-Posse "Das B-Team" (2001). "Alibi" wird ihm das Tor zu internationalem Kino-Ruhm leider auch nicht weiter aufstoßen.

Ehen enden nicht, weil man fremdgeht. Ehen enden, wenn man sich beim Fremdgehen erwischen lässt. Diese ernüchternde Erkenntnis motiviert Ray Elliott (Steve Coogan) jeden Tag bei seiner Arbeit als Alibi-Beschaffer für notorische Seitenspringer. Als ein Klient jedoch versehentlich sein Sex-Date ins Jenseits befördert, beginnen die Verhältnisse aus dem Ruder zu laufen. Ray muss ein aufwändiges Katz-und-Maus-Spiel anzetteln, um Mafiagangster, Polizei und sexhungrige Ehefrauen gegeneinander auszuspielen ...

Wie sich die verfeindeten Parteien von Coogan an der Nase herumführen lassen, ist, trotz bisweilen fehlender Logik, witzig und temporeich inszeniert. Und so kann man sich vor allem in der letzten halben Stunde, in der die Handlungsstränge zusammenlaufen, prächtig amüsieren. Allerdings kann man sich bei den vorangegangenen sechzig Filmminuten dagegen weit weniger vergnügen. Denn die Regisseure Matt Checkowski und Kurt Mattila tun sich schwer damit, die für Gaunerkomödien dieses Typs obligatorische Leichtigkeit und Souveränität zu erzeugen. Sie verlieren sich in allzu eitlen Kamerafahrten und letztlich langweiligen Business-Architekturen, deren grau-blaue Farbgebung einen unangenehmen Industriefilm-Schick etabliert.

Um Coogans Alibi-Unternehmen wird zudem ein Bohei gemacht, als sei dies der Gipfel moderner Smartheit. Allzu geleckt muss auch das ansonsten fähige Ensemble, darunter Henry Rollins und Selma Blair, agieren. Einzig James Brolin scheint hier seine Bestimmung gefunden zu haben: Sein gleichzeitig bauernschlauer und zynischer Altherrencharme in der Rolle des sonnengegerbten Geldhais ist sensationell. Der mitunter im Strudel der etlichen Figuren unterzugehen drohende Steve Coogan schafft es dagegen jedoch nicht, seinem Charakter Profil zu geben. Weder die Cleverness noch das moralische Empfinden, das ihn davor bewahrt, neben Seitensprüngen auch Morde zu decken, finden bei Coogan eine überzeugende Darstellung. So erinnert "Alibi" in seinen besten Momenten an Filme wie Guy Ritchies "Snatch" (2000), in seinen schlechtesten an deutsche Fernsehkomödien der 1990er-Jahre.
Ernst Kramer

(The Alibi) USA 2006, Regie: Matt Checkowski, Kurt Mattila, Buch: Noah Hawley, mit Steve Coogan, Rebecca Romijn, James Marsden, Selma Blair, Sam Elliott, John Leguizamo, Jaime King, Debi Mazar, Kevin Cooney, Kinostart: 22. Juni 2006 bei Tobis

Foto: Verleih



www.tobis.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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