Die Story hinter diesem Film ist fast so bekannt wie der Film selbst. Zwei unterbeschäftigte Schauspieler setzen sich zusammen und entwickeln aus ein paar anfänglich wirren Ideen ein Drehbuch, um das sich bald ganz Hollywood reißt. Talent will eben entdeckt werden. Thematisch führt das wundersamerweise direkt zum Film, der aber, um die Sache interessanter zu machen, das genaue Gegenteil behauptet. Matt Damon spielt den talentierten Will Hunting, die Figur, die er mit seinem alten Schulfreund Ben Affleck ausgeheckt hat. Will arbeitet in einer Eliteuniversität – als Putzkraft. Eines Tages löst er heimlich eine schwere mathematische Aufgabe, die Professor Lambeau (Stellan Skarsgård) seinen Studenten/innen auf eine Tafel gemalt hat. Wer ist der “Mathe-Magier“? Will wird erwischt und bekommt eine große Zukunft in Aussicht gestellt. Doch der Junge, der hunderte von Büchern aller Disziplinen in seinem fotografischen Gedächtnis abgespeichert hat, stellt sich quer. Er hasst Streber. Und verbringt seine Tage lieber zwischen Baseball und Bier, gemeinsam mit einer Horde saufender, fluchender, sich gerne auch mal prügelnder Under-Achievers, die von Ben Affleck angeführt werden. Selbst mit einem Hang zur Gewalttätigkeit ausgestattet, muss Lembeau ihn aus dem Gefängnis freikaufen, um überhaupt mit ihm reden zu können.
Die erste halbe Stunde von "Good Will Hunting“ ist ganz großes Kino, in dem die Gegensätze mit Wucht aufeinander prallen. Für Will verkörpert die Universität das Establishment, die Clique das "wahre Leben“. Beides kommt erst zusammen, als er in einer Bar die reiche Studentin Skylar (Minnie Driver) kennen lernt. Trotz konträrer sozialer Hintergründe ist es eine Seelenverwandtschaft. Die cleveren Dialoge fliegen hin und her und die erotische Spannung nimmt immer neue Höhenflüge. Aber Wills feindselige Haltung bleibt davon unberührt, er will nicht dazugehören, kein Teil des amerikanischen Hochschulsystems werden. Elitenrekrutierung geht so: Studis wie Skylar können sich ihre Bildung kaufen. Hochbegabte wie Will bekommen sie als Stipendium, das über das Good-Will-Prinzip vergeben wird, geschenkt. Die anderen, etwa Wills Kumpels, fallen durch den Rost. Wills ganzer Underdog-Stolz beruht darauf, dass er sich sein enormes Wissen durch ein paar Dollar Bibliotheksgebühren finanziert hat. Er mauert.
An die Hand nehmen
In solchen Fällen braucht man einen Psychologen, am besten Robin Williams alias Sean McGuire. Dies ist der Moment, in dem der Film stark abfällt. Dem Drehbuch fällt zur sozialen Frage nicht viel mehr ein als die Pathologisierung. Sean McGuire, ausgestattet mit Williams’ berüchtigter Einfühlsamkeit, diagnostiziert Will eine traumatisch bedingte Bindungs- und Verantwortungsscheu. In der Tat ist der Abweichler als Waise unter schlimmsten Bedingungen aufgewachsen. So erklärt sich einmal mehr die Legende vom hohen IQ (Intelligenzquotient), der nach Hollywoods Vorstellungen stets einhergeht mit einem gehandicapten EQ, die so genannte “emotionale Intelligenz“. In einem schwierigen Lernprozess muss Will begreifen, dass es seine Pflicht ist, das Beste aus seinen Fähigkeiten zu machen. Nicht für sein Land und dessen akademisches Rückgrat und auch nicht für sich selbst. Sondern für die Menschen, die ihn lieben.