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Sobibor ...

14 Octobre 1943, 16 Heures

Kinostart: 3.4.2003 | Martin Maaß | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Der Titel ist Programm bei Claude Lanzmanns neuem Film. Er bezeichnet Ort und Zeit des einzigen je erfolgreichen Aufstands in einem NS-Konzentrationslager. Lanzmann kombiniert in "Sobibor, 14 Octobre 1943, 16 Heures" Interview-Aufnahmen mit einem der Aufständischen, die er 1979 im Rahmen der Arbeiten an seinem Mammutwerk "Shoah" gemacht hat, mit heutigen Bildern von den Orten des Geschehens. Er folgt damit dem Rezept von "Shoah", der immer noch einer der überzeugendsten Versuche ist, das Grauen des Holocaust filmisch darzustellen.

Wie in "Shoah" stellt Lanzmann auch "Sobibor" einen Rolltext voran, der den Zuschauer bis an seine Grenzen beansprucht - und zwar seiner Länge wegen. Lanzmann begründet darin seine Entscheidung, diesen Film zu machen. Was zunächst merkwürdig erscheint, denn die Frage stellte sich ohne den Text gar nicht! Erst im weiteren Verlauf des Films wird die vorweg genommene Antwort verständlich. Denn trotz der fesselnden Erzählung seines Protagonisten Yehuda Lerner wirkt der Film seltsam wie ein Aufguss, wie ein beinahe verzweifelter Versuch, das Material, das in "Shoah" keinen Eingang gefunden hat, doch noch irgendwie zu verwenden - und damit einen Langfilm zu füllen. Das könnte man vor allem am Ende denken: Da verliest Lanzmann, erneut minutenlang, in gebrochenem Englisch die Herkunft und Kopfzahl der Transporte von Menschen, die in Sobibor vernichtet wurden - über Tafeln, auf denen eben das steht.

So wirkt der Film nicht zeitgemäß, als ob die Sehgewohnheiten Lanzmanns Konzept überholt hätten. Das tut ihm inhaltlich zwar keinen Abbruch. Vielleicht beeinflusst es aber, wie sein neuer Film aufgenommen wird, was traurig wäre! Denn mindestens drei Dinge an "Sobibor" haften sich ins Gedächtnis: der Blick von Yehuda Lerner, als er erzählt, wie er den ersten deutschen Wachmann tötete; die Gänseherde, die plötzlich ohrenbetäubend zu schreien anfängt - während Lerner erzählt, wie Gänse die Todesschreie übertönen sollten; und wie sich Lanzmann beim Verlesen der Opferzahlen selbst in Rage redet. In solchen Momenten hilft "Sobibor", besser zu verstehen, wie es damals war, als reine Information es könnte.
Martin Maaß

(Sobibor, 14 Octobre 1943, 16 Heures) Dokumentarfilm Frankreich 2001, Buch und Regie: Claude Lanzmann, mit Yehuda Lerner, OmU, Kinostart: 3. April 2003 bei den Freunden der deutschen Kinemathek

Foto: Verleih



Hintergrund: Das Unfassbare erfassen: Filme über den Holocaust

www.shoa.de/kz_sobibor.html
Informationen über das KZ Sobibor
www.marsfilms.com
Filminfos auf der Website des französischen Verleihs
www.fsk-kino.de
Mehr über den Film auf der Website des Berliner fsk-Kinos
www.fdk-berlin.de/forum2002/filme/sobibor.html
Mehr über den Film auf der Website des Forums 2002
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database




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