Falscher Bekenner

Bleierne Zeit

Kinostart: 18.5.2006 | Silke Kettelhake | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Ein gepflegter Vorort von Mönchengladbach: Die Autos stehen gewaschen im Carport, die Hecken sind geschnitten, Mutti stellt, je nach Jahreszeit, eine lustige Figur oder ein Weihnachtsgesteck in den Eingangsbereich und so tropfen sie dahin, die Jahre in der westdeutschen Gutbürgerlichkeit. Bis Armin volljährig wird, die Schule abgeschlossen hat und jetzt ein ganzer Mann aus ihm werden soll. Er will aber nicht. Armins große Brüder dagegen packen ihr Leben an. Da wird was draus, das hat Hand und Fuß, die wissen, was sie tun. Geben sie jedenfalls vor.

Die Gemütlichkeit der Sofalandschaft muffelt, es scheint keinen Ausweg zur Vorbilderfüllung zu geben. Die Realität fordert, der Ausbildungsweg muss gemeistert werden. Mutter und Vater versuchen es mit einer Gutmenschenmischung aus Strenge und dem berühmten gut Zureden, dann wird das schon. Hilflos bemüht, ihn zur Einsicht zu bekehren. Zur Einsicht in was?!
Wie schon in Christoph Hochhäuslers Debütfilm "Milchwald" (2003) ist auch "Falscher Bekenner" die Geschichte einer Verweigerung. Hier tickt wieder jemand nicht richtig: Armin scheint die Unlust am Funktionieren der jungen Stiefmutter aus "Milchwald" übernommen zu haben. Statt die Flucht nach vorne anzutreten, flüchtet Armin in eine Lüge und bekennt sich zu einer Tat, die er nicht begangen hat. Er übernimmt eine Verantwortung, die ihm nicht gehört, die in letzter Konsequenz doch wieder zu verleugnen ist.

Constantin von Jascheroff, der 2005 den Darstellerpreis beim Filmfest München gewann, bietet eine glänzend verkörperte lethargische Introvertiertheit: Armin ist einer, der nichts kann, nichts will, nichts hat. Und der doch auf der Suche ist, etwa nach nächtlichem Sex mit anonymen Motorradfahrern auf nahe gelegenen Autobahnraststätten.

"Dieses Schwimmen, dieser Schleier", sagte der Absolvent der HFF München Christoph Hochhäusler, "ist für mich kennzeichnend für eine ganze deutsche Generation. Eine Generation, die in einem schwammigen, undefinierten, diffusen Zustand lebt." In "Falscher Bekenner" wartet man umsonst auf den Knall, der diese diffuse Unentschlossenheit einfach hinwegfegt, sie zieht sich durch die neunzig Minuten wie eine Mischung aus Depression und Schlaftabletten. Revolution im Vorort? Gibt's nicht, gab's noch nie und wird es wohl auch nie geben. Einfach mal den Hintern hoch!
Silke Kettelhake

Falscher Bekenner, Deutschland 2005, Buch und Regie: Christoph Hochhäusler, mit Constantin von Jascheroff, Manfred Zapatka, Victoria Trauttmansdorff, Nora von Waldstätten, Devid Striesow, Florian Panzner, Laura Tonke, Kinostart: 18. Mai 2006 bei Piffl

Foto: Verleih


www.falscher-bekenner.de
Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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