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We Feed the World - Essen global

Nahrungswege

Kinostart: 27.4.2006 | Michael Brake | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Strom kommt aus der Steckdose, Wasser aus dem Wasserhahn und Essen aus dem Supermarkt. Wie es dahin gekommen ist, interessiert die wenigsten. Hauptsache, es ist billig und immer genügend Auswahl da. Der Filmemacher Ernst Wagenhofer begnügte sich nicht mit dieser Erkenntnis und verfolgte den Weg der Nahrung zurück. Schnell geriet er an den täglichen Wahnsinn einer den Gesetzen des Marktes unterworfenen globalen Lebensmittelproduktion, in der Tomaten 3.000 Kilometer durch Europa fahren müssen und zahllose Menschen hungern, obwohl rein rechnerisch Lebensmittel für 12 Milliarden Personen produzierbar wären.

Nun ist es eine unmögliche Aufgabe für einen 96-minütigen Film, die komplexen Beziehungen zwischen Kleinbauern und Großkonzernen, Agrarministerien und NGOs, Abnehmern und Zulieferern umfassend zu analysieren. Wagenhofer versucht das auch gar nicht erst, sondern erzählt vier Geschichten: vom französischen Kleinfischer, den es nach dem Willen der EU in dieser Form bald nicht mehr geben wird. Von den gigantischen Gewächshausanlagen Südspaniens, in denen das Gemüse für halb Europa angebaut wird. Von den archaischen Anbaumethoden der rumänischen Bauern, die in naher Zukunft mit Hybrid-Saatgut beglückt werden sollen, und vom Lebensweg eines Masthuhns in Österreich.

Das ist Wagenhofer gut und optisch ansprechend gelungen. Alle Episoden schaffen es, die Zuschauenden zum Stutzen zu bringen. Kann man das wirklich unterstützen? Sollte nicht jede/r Einzelne, sollten wir nicht alle etwas ändern? Allerdings ist diese klare Botschaft schnell verstanden und dann wäre es halt doch ganz schön, noch ein paar weitergehende Hintergründe und Zusammenhänge zu erfahren oder auch Erklärungen für die Zustände, die über "Kapitalismus, böse" hinausgehen.

Das ist aber allein aufgrund des Verzichts auf einen Off-Sprecher nicht möglich. Und das war auch nicht Wagenhofers Ziel. Er will eine klare Botschaft vermitteln. Dazu gehört auch ein Interview mit einem Vertreter der Gegenseite am Ende des Films: Nestlé-Chef Peter Brabeck nimmt seine Rolle perfekt ein und bringt an, dass man in Zukunft doch bitte auch Wasser als Ware begreifen solle. So wird man mit einem gesunden Empörungsgefühl aus dem Kino entlassen. Wer sich allerdings wirklich informieren möchte, sollte zusätzlich ein Buch zum Thema lesen.
Michael Brake

(We Feed The World), Dokumentarfilm, Österreich 2005, Buch und Regie: Erwin Wagenhofer, mit Jean Ziegler, Peter Brabeck, Philippe Cleuziou, Karl Otrok, José Maxiliamo de Souza, Hannes Schulz, Kinostart: 27. April 2006 bei Delphi

Foto: Verleih


www.essen-global.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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