Spike Jonze (Regie) und Charlie Kaufman (Drehbuch) gelten seit ihrem Debüt "Being John Malkovich" als die neuen Hollywood-"Hot Shots". Mit ihrem zweiten gemeinsamen Film haben sie diesen Hype jetzt in jeder Hinsicht gerechtfertigt. "Adaption" ist fast zu kompliziert, um ihn in wenigen Sätzen zu erklären - am besten lässt sich der Film vielleicht so beschreiben: Es geht um ein paar junge, größenwahnsinnige Hollywood-Typen - also Jonze/Kaufman -, die sich die Rechte am prätentiösesten Stück Befindlichkeitsliteratur aus den amerikanischen Bestsellerlisten gesichert und aus dem Stoff gerade einen Film über das System Hollywood und ihre eigenen kleinen Neurosen gemacht haben. Das ist natürlich nur die inoffizielle Version.
Der Roman, auf dem "Adaption" vage beruht, ist "The Orchid Thief" von der "New Yorker"-Autorin Susan Orlean. Die wahre Geschichte eines zahnlosen Orchideensammlers, der in den Sümpfen von Florida nach seltenen Orchideenarten sucht. Eigentlich aber ein Buch über Blumen und unerfüllte Leidenschaften. Nicht ganz also das postmoderne Gehirnkäfig-Kino von Jonze/Kaufman - zumindest nicht, bis daraus ein Film wurde. Die offizielle Version (gleichzeitig auch die Geschichte des Films) lautet, dass Kaufman aus dem Roman ein Drehbuch machen sollte, und so lange vor dem leeren Blatt Papier hockte, bis er in eine tiefe Persönlichkeitskrise verfiel. Im Film zitiert Nicolas Cage, der Kaufman als schwitzigen, übergewichtigen Supernerd mit dünnem Haar spielt, nochmal wie zum Beleg einen echten Verriss des Romans aus dem "New York Book Review". Cage/Kaufman schwitzt also und masturbiert und verzweifelt und drückt sich manchmal auch am Set vom "Being John Malkovich" rum.
"Adaption" handelt von der Unmöglichkeit, aus einem Scheißbuch einen originären Film zu machen, wobei die Pointe des Films darin besteht, dass Jonze es tatsächlich schafft - obwohl er dafür seinen Film am Ende absichtlich gegen die Wand fahren muss. Aber mit Methode. Denn für "Adaption" muss Kaufman erst einen tumben Zwillingsbruder (auch Cage) kopfgebären, der, als alle Stricke reißen, Charlies Drehbuch den richtigen Pfiff gibt (mit praktischen Tipps aus dem Handbuch für Drehbuchschreiber). Die offizielle Version lautet, dass das Drehbuch zu "Adaption" von Charlie und Donald Kaufman stammt. Dieser Schizo-Effekt ist genial. Mehr kann hier unmöglich verraten werden.
Andreas Busche
(Adaptation) USA 2002, Regie: Spike Jonze, Buch: Charlie Kaufman, nach dem Roman von Susan Orlean, mit Nicolas Cage, Meryl Streep, Chris Cooper, Tilda Swinton, Cara Seymour, Brian Cox, Judy Greer, Maggie Gyllenhaal, Ron Livingston, Jay Tavare, Litefoot, Roger Willie, Kinostart: 13. März 2003 bei Columbia TriStar
Foto: Verleih
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