Brokeback Mountain

Harte Jungs, weiche Herzen

Kinostart: 9.3.2006 | Philipp Bühler
Ang Lee erzählt in seinem "schwulen Western" von einer verbotenen Liebe.
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Die ganze Erregung um Ang Lees "schwulen Western" ist schon eine seltsame Geschichte: erst die hitzigen Diskussionen, die kirchlichen Proteste, dann die Vereinnahmungen durch Hollywoods Konsensmaschine inklusive acht Oscar-Nominierungen – es wurde Zeit, dass dieser schöne Film endlich auch zu uns kommt. Er ist eigentlich kein Western, obwohl oder gerade weil die Cowboys, um die es hier geht, hier tatsächlich einmal ihren Beruf ausüben. Ennis Del Mar (Heath Ledger) und Jack Twist (Jake Gyllenhall) hüten zu Beginn der 1960er-Jahre Schafe in den einsamen Bergen von Wyoming. Eines Nachts passiert es. Man sieht wenig in ihrem dunklen Zelt, aber hört die Anspannung ihrer Körper, das Aufplatzen von Gürtelschnallen, hektisches Keuchen. Am nächsten Tag beteuern sie, nicht schwul zu sein, und gehen schon bald getrennte Wege. Doch dies ist erst der Anfang ihrer Geschichte, die Ang Lee als großartiges Panorama des mittleren Westens aufzieht. Vier Jahre später sind beide in unglücklichen Ehen gelandet. Es kommt in den darauf folgenden Jahren regelmäßig zu erneuten, heimlichen Treffen in der Wildnis. Doch jenseits der Landschaft von Brokeback Mountain hat die große Liebe, die sie viel zu spät realisiert haben, keinen Platz.

Ang Lees Provokation besteht darin, seinen Liebenden Cowboyhüte aufzusetzen – und ihre Liebe im Übrigen so diskret und einfühlsam abzufilmen, wie er das immer tut, etwa in "Sinn und Sinnlichkeit" (1995). "Brokeback Mountain" ist ein Melodram, also die Geschichte einer verbotenen Liebe, die an den gesellschaftlichen Umständen scheitert, aber auch an der innerlichen Beschränktheit des einen, der weniger liebt oder seine Liebe verleugnet. Genau lässt sich das bei Ennis nicht sagen. Er gehorcht dem Verschwiegenheitsideal des amerikanischen Mannes, lässt unter seinem tief ins Gesicht gezogenen Hut kaum Gefühle erkennen, die über die Klischeebilder einer Marlboro-Reklame hinausgehen. Der sensible Jack geht daran zugrunde. Aber auch seine Frau. Der Film ist also, wenn man so will, nicht nur kein richtiger Western, sondern nicht einmal besonders schwul. Und dennoch gelingt Lee hier die Dekonstruktion dieses Männergenres, dessen homoerotische Untertöne sich immer höchstens erahnen ließen. Was haben diese Cowboys eigentlich gemacht, nachts am Lagerfeuer, wenn die letzte Kugel abgefeuert und das große Abenteuer bestanden war? Nun, nicht alle ritten einsam in den Sonnenuntergang.
Philipp Bühler

(Brokeback Mountain), USA 2005, Regie: Ang Lee, Buch: Larry McMurtry, Diana Ossana nach einer Kurzgeschichte von Annie Proulx, mit Heath Ledger, Jake Gyllenhall, Ann Hathaway, Michelle Williams, Randy Quaid, Kate Mara, Linda Cardellini, Graham Beckel, Mary Liboiron, Anna Faris, David Harbour , Kinostart: 9. März 2006 bei Tobis

Foto: Verleih

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www.brokebackmountainmovie.com
Website zum Film (englisch)
www.tobis.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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