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Syriana

Von Profiteuren und Bauern

Kinostart: 23.2.2006 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Wer macht sich schon Gedanken darüber, was alles geschehen muss, damit wir es hier in Mitteleuropa auch im Winter warm und heimelig haben oder mit dem Auto zur Arbeit kommen? Stephen Gaghan sagt, ihn habe diese Frage schon eine ganze Weile beschäftigt, und sein Film "Syriana" zeigt, dass er es sich mit der Beantwortung nicht leicht gemacht hat. Ähnlich wie schon mit "Traffic" (2000), zu dem Gaghan das Drehbuch verfasst hat, entspinnt er in "Syriana" ein kompliziertes Beziehungs- und Handlungsgeflecht, um erneut die Zusammenhänge von Politik und Weltmarkt auseinander zu friemeln – nur dass es dieses Mal nicht um Heroin, sondern um Öl geht. Das ist natürlich ein Unterfangen, das sich in etwas mehr als zwei Stunden unmöglich bewerkstelligen lässt. Doch Gaghan ist ein fähiger Drehbuchautor, dem es gelingt, mit fünf Handlungssträngen ein komplexes Bild über die internationalen Ölmachenschaften abzuliefern. Dass sein Präsident dabei gar nicht gut wegkommen würde, war zu erwarten. "Syriana" ist im US-Regierungsjargon der Name für einen nach westlichen Vorstellungen umstrukturierten Nahen Osten. Wie das genau vor sich geht und welche Rolle die gewaltigen Erdölvorkommen dabei spielen, ist das Thema von Gaghans Film.

George Clooney spielt in "Syriana" den CIA-Veteranen Bob Barnes, den Nahost-Ausputzer des amerikanischen Geheimdienstes. Wo es brennt, ist er zur Stelle. Der zweite Handlungsstrang hat den Energie-Analytiker Bryan Woodman (Matt Damon) zum Mittelpunkt. In Washington ist der aufstrebende Rechtsanwalt Bennett Holiday (Jeffrey Wright) damit beschäftigt, die milliardenschwere Fusion zweier großer Ölkonzerne auf ihre Rechtmäßigkeit hin zu untersuchen. Im persischen Golf wiederum plant der Königssohn Prince Nasir (Alexander Siddig) als designierter Thronfolger seine Ölquellen dem Einflussbereich der US-amerikanischen Konzerne zu entziehen. Die Regierung der USA hat ihn dafür zum Terroristen erklärt. Bob Barnes ist bereits vor Ort, um die Sache in die Hand zu nehmen. Und in Pakistan treibt die Schließung einer amerikanischen Förderanlage, als Folge der Firmenfusion, einen jungen Moslem in die Fänge böser Fundamentalisten.

Das alles klingt sehr schematisch, aber Gaghan ist eben genau daran gelegen: Zusammenhänge aufzudecken. Figurencharakterisierungen interessieren ihn weniger – obwohl Clooney als in die Jahre gekommener "Nahost-Experte" eine bemerkenswert bemitleidenswerte Figur abgibt. Das Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft funktioniert wie ein Uhrwerk, und ebenso reibungslos verzahnen sich in "Syriana" die einzelnen Geschichten, entwickeln eine atemberaubende Dynamik, verkleinern die Welt auf Schachbrettgröße. Es gibt in "Syriana" im Grunde nur zwei Sorten von Menschen: die Profiteure und die Bauern, die leicht geopfert werden können. Das alles führt Gaghan mit äußerster Sachlichkeit vor. Die Gesetze des Marktes kennen keine Moral, folglich kommt man hier mit Empörung nicht weit. Und darum belässt Gaghan es auch bei einer Analyse. Dass "Syriana" trotz seiner Komplexität am Ende immer noch einer stark verkürzten Argumentation folgt (vor allem in der Episode des Selbstmordattentäters), muss man ihm unter diesen Umständen wohl nachsehen.
Andreas Busche

Syriana, USA 2005, Buch und Regie: Stephen Gaghan, mit George Clooney, Matt Damon, Jeffrey Wright, Chris Cooper, William Hurt, Mazhar Munir, Tim Blake Nelson, Amanda Peet, Christopher Plummer, Kinostart: 23. Februar 2006 bei Warner Bros.

Foto: Verleih


http://syrianamovie.warnerbros.com
Website zum Film (englisch)
wwws.warnerbros.de/syriana
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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