Kaltes Land

Geschichte einer Kämpferin

Kinostart: 9.2.2006 | Ernst Kramer | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Josey Aimes (Charlize Theron) zieht mit ihren zwei Kindern bei ihrem prügelnden Ehemann aus und wieder bei ihren Eltern ein, um noch mal von vorn zu beginnen. Einen Job findet sie in der riesigen Mesabi Eisen Mine, zusammen mit tausenden hart arbeitenden Männern – und einer Hand voll Frauen. Es dauert nicht lange, bis die attraktive Josey das Ziel sexueller Belästigung wird. Sie versucht, ihre Kolleginnen für eine Sammelklage gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu gewinnen. Aber Joseys Vergangenheit behindert ihre Glaubwürdigkeit im Prozess ...

Willkommen in der Flanellhemden-Hölle. In jeder Ecke der Eisenmine riecht es nach Notzucht. Josey trifft auf Kerle mit grinsenden, grob geschnitzten Fratzen, die immer schon den nächsten eklig-anzügigen Streich im Schilde führen. Dass Regisseurin Niki Caro ("Whale Rider", 2002) gerade in der ersten Hälfte des Films Männer nahezu ausschließlich als aktiv widerwärtig darstellt, ist einer der wenigen Schwachpunkte des Films. So gibt sie ihr Thema um ein Haar der Lächerlichkeit preis.
Doch dann erzählt "Kaltes Land" von Joseys Kampf für ihr Recht, von den Widerständen der Firmenleitung, den Arbeitern, die sie verhöhnen und verleumden, und ihren Kolleginnen, die nicht zu ihr halten, weil sie Angst vor Repressionen haben. Eindrucksvoll zeigt uns Caro, dass nicht nur die Täter, sondern auch und vor allem die Mitläufer/innen, die Nicht-Hingucker/innen, ein großes Problem darstellen: Es sind all jene, die Verbrechen und Ungerechtigkeit akzeptieren, weil das schon "immer so war". Und weil hübsche Frauen in ihren Augen eben immer selber schuld sind, wenn sie angemacht werden – in welcher Form auch immer. Dabei vermeidet es der Film, Josey als Märtyrerin oder Heilige darzustellen. Die Szenen, in denen Joseys Sohn Sammy, der den Respekt für seine Mutter wegen des Geredes der Leute schon längst verloren hat, mit ihrem Zorn konfrontiert wird, gehören jetzt schon zu den stärksten Kino-Momenten des Jahres.

Niki Caro nutzt den authentischen Fall der ersten Sammelklage gegen sexuelle Belästigung in den USA als Aufhänger, um die Geschichte einer Frau, in der sich die Abgründe der menschlichen Gesellschaft spiegeln, zu erzählen. "Kaltes Land" ist kein Film über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Es ist ein Film über den elenden persönlichen Kampf, den viele Frauen ihr Leben lang ausfechten müssen, weil ihnen Dinge geschehen sind, die sie nicht wollten, aber für die sie von allen verachtet werden. In "Monster" (2003) hat Charlize Theron den Kampf verloren, in "Kaltes Land" gewinnt sie ihn. Auf beeindruckende Weise.
Ernst Kramer

(North Country), USA 2005, Regie: Niki Caro, Buch: Michael Seitzman nach einem Buch von Clara Bingham und Laura Leedy, mit Charlize Theron, Frances McDormand, Sean Bean, Richard Jenkins, Jeremy Renner, Michelle Monaghan, Woody Harrelson, Kinostart: 9. Februar 2006 bei Warner Bros.

Foto: Verleih


http://northcountrymovie.warnerbros.com
Website zum Film (englisch)
http://wwws.warnerbros.de/northcountry
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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