Good Bye, Lenin!

Kalkül und Spaß

Kinostart: 13.2.2003 | Gisela Schmalz | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Do-it-yourself-DDR. Alex Kerner (Daniel Brühl) braucht dringend 79 qm DDR. Weil es die nicht mehr gibt, baut er sie selbst wieder auf. Seine Mutter (Katrin Saß), eine wohlverdiente Genossin, lag acht Monate im Koma und hat die Wende verschlafen. Um ihr schwaches Herz gegen die politischen Erschütterungen abzufedern, belebt Alex in ihrer Stube den Ostcharme wieder. Er schleppt Mutters Möbel vom Sperrmüll zurück, zieht die Gardinen zu, um das Coca-Cola-Logo draußen abzudecken und reicht ihr West-Kühne-Gurken aus Ost-Spreewaldgurken-Gläsern. Alex reißt die Radioantenne ab, so dass die Mutter aktuelle Nachrichten nur aus dem DDR-Fernsehen beziehen kann - das Programm dafür produzieren Axel und Kollege Denis (Florian Lukas) ebenfalls selbst. Erst als die Mutter aus dem Krankenbett aufersteht, fliegt der Ostschwindel auf. Frau Kerner fragt ihren Alex, wieso all die Westler in ihrem Osten herumlaufen. Alex ersinnt eine geniale und fast plausible Erklärung.

Regisseur Wolfgang Becker erzählt von den Sorgen einer Familie kurz nach der Wende. Er will nicht problematisieren und nicht theoretisieren, sondern unterhalten. Das gelingt. Die Figuren sind sympathisch. Die Witze sitzen. Das Ostfieber von Alex ist glaubhaft und charmant. Becker hat sich gründlich auf einen verdienten Kinoerfolg vorbereitet: Dem Film liegt ein erstklassiges, preisgekröntes Drehbuch zu Grunde. Und das Casting ist clever: Der Kölner Daniel Brühl, der dem deutschen Film seine Zuschauer zurückbringen soll, spielt den in Ostalgie schwelgenden Friedrichshainer. Und seine - aus dem Osten stammenden - Kollegen Florian Lukas und Alexander Beyer spielen die netten Westler. Becker lässt zusammenwachsen, was zusammengehört. Ziel ist der gesamtdeutsche Kassenschlager, aber auch ein gemeinsames westöstliches Lachen. Do-it-yourself-DDR. Mit Kalkül und mit Spaß.
Gisela Schmalz

D 2003, Regie: Wolfgang Becker, Buch: Bernd Lichtenberg, Wolfgang Becker, mit Daniel Brühl, Katrin Saß, Florian Lukas, Chulpan Khamatova, Maria Simon, Alexander Beyer, Kinostart: 13. Februar 2003 bei X-Verleih

Foto: Verleih


www.79qmDDR.de
Website zum Film
www.imdb.de
Mehr über den Film in der Internet Movie Database




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