King Kong

Überdimensionale Liebe

Kinostart: 14.12.2005 | Jörg Buttgereit
Immer noch das Achte Weltwunder: Peter Jackson erfüllt sich seinen Kindheitstraum.
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So schrecklich es für traditionsbewusste Cineasten/innen auch klingen mag: Der alte "King Kong" (1933), der mit seinen ruckartigen Stop-Trick-Bewegungen durch den Urwald poltert, hat seinen Charme für die junge Kino- (oder besser DVD-) Generation weit gehend verloren. Deshalb kommt jetzt Peter Jackson, der nach "Herr der Ringe" das Zeug – das heißt eine gigantische Produktionsmaschine im Rücken und ein geschätztes Budget von über 200 Millionen Dollar zur Verfügung – hat, um "King Kong" wieder zu dem zu machen, was er einmal war: ein Wunder, das alle ins Staunen versetzt.

Liebevoller Größenwahn

Jacksons Vision zeichnet sich durch seine Liebe zum Original aus – aber auch durch Größenwahn. 188 Minuten, also etwa doppelt so lang wie die Vorlage, ist sein Film geworden: ein Umstand, den sich Jackson 32 Millionen Dollar Vertragsstrafe kosten ließ. Denn mit dem Produktionsstudio Universal war eine leichter ins Programmschema der Kinos passende Laufzeit von nur zweieinhalb Stunden vereinbart gewesen. Jackson zahlte die durch Überlänge seines Films ausbleibenden Einnahmen an der Kinokasse aus eigener Tasche. Schließlich ist "King Kong", wie Jackson auf der Berliner Pressekonferenz beteuerte, ein Projekt, das ihm am Herzen liegt. Ein Kindheitstraum.

Mit neun Jahren hat Jackson das Original im Fernsehen gesehen und war so beeindruckt, dass er fortan Regisseur werden wollte. Mit zwölf wagt sich Jackson an ein Remake in Kurzform und animiert eine Affenpuppe vor der Schmalfilmkamera des Vaters. 1996 entwickelt er eine Drehbuchversion von "King Kong", die aber von Universal auf Eis gelegt wurde. Doch nach "Herr der Ringe" konnte sich Jackson aussuchen, was er als nächstes machen wollte. Seine Wahl fiel natürlich auf "King Kong" – den überdimensionalen Liebesfilm.

"Human Drama" und Depression

Die zeitlose Geschichte von der Schönen und dem Biest: Ein Riesenaffe verliebt sich in eine schöne Menschenfrau, die ihm von einem wilden Eingeborenenstamm als Opfer dargeboten wird. Er beschützt sie vor garstigen Monstern und wird schließlich gefangen genommen, in die Großstadt New York entführt und als Jahrmarktsattraktion ausgebeutet.

Jackson hält sich bis hin zum Titeldesign penibel an die geliebte Vorlage, lässt den Film im Premierenjahr des Originals, also 1933, dem Jahr der großen Depression in Amerika, spielen. Und weil er weiß, dass Monsterfilme nur mit einem starken "human drama" im Hintergrund funktionieren, lässt er sich knappe 70 Minuten Zeit, um seine Figuren zu charakterisieren: Carl Denham (Jack Black), den besessenen Filmemacher, der die finanziell strauchelnde Varieté-Schauspielerin Ann Darrow (Naomi Watts) und den Drehbuchautor Jack Driscoll (Adrien Brody) anheuert, um einen Abenteuerfilm auf Skull Island zu drehen.

Respektvolle Beziehung

Der eigentliche Star des Films ist natürlich der verliebte Riesengorilla. Das im Computer animierte Ungetüm wird tatsächlich, wenn auch über einen Umweg durch den Computer, von einem Schauspieler dargestellt. Der aus "Herr der Ringe" als Gollum-Darsteller bekannte Andy Serkis hat Kong per "Motion Capture"-Verfahren Leben eingehaucht. Serkis' Körper wurde mit unzähligen Sensoren versehen, die seine affenartigen Bewegungen und selbst sein Mienenspiel auf den digitalen Affen übertrugen. Das Resultat ist ein schauspielernder CG- (computer generated) Kong, den Zuschauende sofort in ihr Herz schließen können. Nun, vielleicht nicht sofort, denn wenn Kong ungefähr bei Minute 70 die fragile Ann Darrow wie eine Barbiepuppe in seine Pranke nimmt und mit ihr durchs Unterholz springt, sie wild schüttelt, dann kommt das auch wegen Naomi Watts' hilflosem Geschrei und Gestöhn einer Vergewaltigung gleich. Doch Ann weiß das Biest zu zähmen, es im Verlauf ihrer "Beziehung" zu respektieren, später gar zu lieben.

Bei der Umsetzung der Saurier, die im zweiten Drittel des Films ausgiebig mit Kong im Urwald toben, verlässt sich Jackson dann zu sehr auf die digitale Animation. Sicher sehen seine drei T-Rex nicht schlechter aus als Spielbergs "Jurassic Park"-Stars. Aber die von Stan Winston für JP kreierten animatronischen Monsterköpfe waren doch "greifbarer" als gänzlich im Computer generierte Tricksaurier. Durchweg überzeugend aber sind die vielen übergroßen Insekten, die auf dem morastigen Boden einer Schlucht über die Mannschaft herfallen. Diese Szene ist Jacksons wild ausgeschmückte Huldigung an eine verschollene Sequenz aus dem Original, von der nur wenige Standfotos existieren.

Das Kino wieder lieben lernen

Bevor in New York das Militär anrückt, gönnt Jackson seinem Liebespaar einige unbeschwerte Minuten auf einem zugefrorenen Teich im Central Park. Peter Jackson hat mit "King Kong" das Kino lieben gelernt. Das spürt man. Konsequent sentimental findet das Spektakel im Finale auf dem Empire State Building zur Ruhe. Im Sonnenaufgang verabschiedet sich das von Schüssen getroffene sanfte Biest von seiner geliebten Ann. Es ist vielleicht das schönste und rührendste Unhappy End der Filmgeschichte. Da weiß man endlich wieder, wofür man eigentlich ins Kino geht.

(King Kong) USA, Neuseeland 2005, Regie: Peter Jackson, Buch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson, nach einer Story von Merian C. Cooper und Edgar Wallace, mit Naomi Watts, Jack Black, Adrien Brody, Thomas Kretschmann, Colin Hanks, Jamie Bell, Evan Parke, Kyle Chandler, Andy Serkis, Lobo Chan, John Sumner, Kinostart: 14. Dezember 2005 bei Buena Vista

Foto: Verleih

Jörg Buttgereit ist Splatterfilmregisseur und Radiomacher.


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www.kingkongmovie.com
Website zum Film (englisch)

www.kingkong-film.de
Website zum Film (deutsch)

www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database

www.filmz.de
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