Cachorro

Wie eine Familie

Kinostart: 10.11.2005 | Cristina Moles Kaupp | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Filme über Schwule bedienen oft immer noch den Exotenstatus. Zwischen Fummeltrinen, Frauenversteher und sensiblen Ästheten changieren die Charaktere – so richtig aus dem Leben gegriffen sind sie selten. Der spanische Regisseur Miguel Albaladejo will etwas anderes und beleuchtet mit "Cachorro" den komplexen Alltag des Madrider Zahnarztes Pedro. Ende dreißig lebt er allein und genießt seine Affären. Bis plötzlich seine chaotisch und esoterisch veranlagte Schwester zwei Wochen nach Indien reisen will und ihren achtjährigen Sohn Bernardo so lange bei Pedro deponiert. Zähneknirschend willigt Pedro ein, bedeutet der Besuch des Jungen doch eine Zäsur in seinem ausschweifenden Privatleben. Anfänglich beäugen sich Onkel und Neffe noch recht skeptisch, bald jedoch wächst das Vertrauen, kann keiner mehr ohne den anderen. Die Tage fliegen dahin, bis sie plötzlich erfahren, dass Bernardos Mutter wegen eines Drogendelikts verhaftet wurde und ihre Rückkehr einige Jahre dauern kann. Einen Vater hat Bernardo nicht mehr, also stürzt sich Pedro in die neue Verantwortung. Verständlich, dass er anfangs lange grübelt, wie er Bernardo in seinem homosexuellen Umfeld erziehen soll. Pedro ist sich nicht zu schade, seine Unsicherheit zu zeigen und bemüht sich rührend, Bernardo Toleranz und die richtigen Werte zu vermitteln. Doch dann funkt Bernardos ungeliebte Großmutter selbstsüchtig dazwischen. Sie lässt Pedro beschatten, sammelt Beweismaterial für seine "moralische Verkommenheit". Als sie dann auch noch an Pedros Krankenakte gelangt, die ihn als HIV-positiv ausweist, muss Bernardo in ein Internat.
"Cachorro" beginnt schwungvoll als Komödie, Regisseur Albaladejo zeigt Pedro und seine Freunde als barttragende beleibte Männer jenseits der 40. Wie knuffige Brummbären kommen sie daher, schlagen sich mit den üblichen Problemen herum, aber halten zusammen wie eine Familie. Mit der Verhaftung von Bernardos Mutter verliert der Film seine Heiterkeit, beinahe droht die AIDS-Problematik den dramatischen Bogen zu überspannen. Denn letztlich steht der Junge im Mittelpunkt, der verlässliche Erwachsene braucht.
Cristina Moles Kaupp

(Cachorro) Spanien 2004, Regie: Miguel Albaladejo, Buch: Miguel Albaladejo, Salvador García Ruiz, mit José Luis García-Pérez, David Castillo, Empar Ferrer, Elvira Lindo, Arno Chevrier, Mario Arias, Josele Román, Diana Cerezo, Daniel Llobregat, Juanma Lara, OmU, ab 16, Kinostart: 10. November 2005 bei Salzgeber

Foto: Verleih


www.salzgeber.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
http://german.imdb.com
Infos zum Film in der Internet Movie Database




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