Filme über Schwule bedienen oft immer noch den Exotenstatus. Zwischen Fummeltrinen, Frauenversteher und sensiblen Ästheten changieren die Charaktere – so richtig aus dem Leben gegriffen sind sie selten. Der spanische Regisseur Miguel Albaladejo will etwas anderes und beleuchtet mit "Cachorro" den komplexen Alltag des Madrider Zahnarztes Pedro. Ende dreißig lebt er allein und genießt seine Affären. Bis plötzlich seine chaotisch und esoterisch veranlagte Schwester zwei Wochen nach Indien reisen will und ihren achtjährigen Sohn Bernardo so lange bei Pedro deponiert. Zähneknirschend willigt Pedro ein, bedeutet der Besuch des Jungen doch eine Zäsur in seinem ausschweifenden Privatleben. Anfänglich beäugen sich Onkel und Neffe noch recht skeptisch, bald jedoch wächst das Vertrauen, kann keiner mehr ohne den anderen. Die Tage fliegen dahin, bis sie plötzlich erfahren, dass Bernardos Mutter wegen eines Drogendelikts verhaftet wurde und ihre Rückkehr einige Jahre dauern kann. Einen Vater hat Bernardo nicht mehr, also stürzt sich Pedro in die neue Verantwortung. Verständlich, dass er anfangs lange grübelt, wie er Bernardo in seinem homosexuellen Umfeld erziehen soll. Pedro ist sich nicht zu schade, seine Unsicherheit zu zeigen und bemüht sich rührend, Bernardo Toleranz und die richtigen Werte zu vermitteln. Doch dann funkt Bernardos ungeliebte Großmutter selbstsüchtig dazwischen. Sie lässt Pedro beschatten, sammelt Beweismaterial für seine "moralische Verkommenheit". Als sie dann auch noch an Pedros Krankenakte gelangt, die ihn als HIV-positiv ausweist, muss Bernardo in ein Internat.
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