Ach, Kaiserpinguin müsste man sein. Zumindest als Frau. Denn das Familienmodell dieser Südpol-Bewohner ist durchaus fortschrittlich: Der Göttergatte, stets befrackt, brütet und hütet den Nachwuchs wochenlang. Madame flitzt derweil als Nahrungslieferantin durch den Ozean. Und noch nicht mal um das Thema Treue muss sie sich Gedanken machen. Während der kompletten Brut- und Aufzuchtszeit richtet der werte Gemahl seine schwarzen Knopfaugen auf kein anderes Weibchen, ist ein Vorbild an Verlass und Sicherheit. Gut, danach werden die Karten wieder neu gemischt, aber so hat das die Natur eben geplant. Monogamie auf Zeit, das ist Liebe auf antarktisch.
"Mein Plan war es, dem ewigen Eis eine Geschichte zu entlocken", sagte Regisseur Luc Jacquet – und mit "Die Reise der Pinguine" ist ihm das bestens gelungen. Sein Film, ein eisiger Bilderrausch, zeichnet den Lebenszyklus der Kaiserpinguine nach. Jahr für Jahr wandern sie im Winter zu ihrem traditionellen Fortpflanzungsort in der Antarktis. Das ist ein wahrlich raues Fleckchen Erde: Winde, Schneestürme und extreme Kälte machen die Pinguine zu einsamen Bewohnern der Eiswüste. Luc Jacquet hat all das festgehalten: den grazilen Sprung der Vögel aus dem Ozean und die flatschende Bauchlandung auf Eis und Schnee, den pinguinesken Pilgerzug, irgendwie schunkelartig-tapsend, und doch ordentlich in Reih und Glied, den Zickenterror der Weibchen, die im Kampf um "Mr. Perfect" auch Gewalt nicht scheuen. Das maskuline Gruppen-Kuscheln zwecks Wärmeerhalt beim Dauer-Brüten. Und natürlich das erste Purzeln der wollknäuelartigen Jungen. Damit fügt sich Luc Jacquets Werk in die Reihe der kinotauglichen Naturfilme ein, wie etwa "Nomaden der Lüfte" und "Deep Blue": Die Natur liefert eben verdammt gute Geschichten.
Kommentare
Dein Kommentar