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Die Reise der Pinguine

Film ab, Ton aus

Kinostart: 13.10.2005 | Barbara Lich | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Ach, Kaiserpinguin müsste man sein. Zumindest als Frau. Denn das Familienmodell dieser Südpol-Bewohner ist durchaus fortschrittlich: Der Göttergatte, stets befrackt, brütet und hütet den Nachwuchs wochenlang. Madame flitzt derweil als Nahrungslieferantin durch den Ozean. Und noch nicht mal um das Thema Treue muss sie sich Gedanken machen. Während der kompletten Brut- und Aufzuchtszeit richtet der werte Gemahl seine schwarzen Knopfaugen auf kein anderes Weibchen, ist ein Vorbild an Verlass und Sicherheit. Gut, danach werden die Karten wieder neu gemischt, aber so hat das die Natur eben geplant. Monogamie auf Zeit, das ist Liebe auf antarktisch.

"Mein Plan war es, dem ewigen Eis eine Geschichte zu entlocken", sagte Regisseur Luc Jacquet – und mit "Die Reise der Pinguine" ist ihm das bestens gelungen. Sein Film, ein eisiger Bilderrausch, zeichnet den Lebenszyklus der Kaiserpinguine nach. Jahr für Jahr wandern sie im Winter zu ihrem traditionellen Fortpflanzungsort in der Antarktis. Das ist ein wahrlich raues Fleckchen Erde: Winde, Schneestürme und extreme Kälte machen die Pinguine zu einsamen Bewohnern der Eiswüste. Luc Jacquet hat all das festgehalten: den grazilen Sprung der Vögel aus dem Ozean und die flatschende Bauchlandung auf Eis und Schnee, den pinguinesken Pilgerzug, irgendwie schunkelartig-tapsend, und doch ordentlich in Reih und Glied, den Zickenterror der Weibchen, die im Kampf um "Mr. Perfect" auch Gewalt nicht scheuen. Das maskuline Gruppen-Kuscheln zwecks Wärmeerhalt beim Dauer-Brüten. Und natürlich das erste Purzeln der wollknäuelartigen Jungen. Damit fügt sich Luc Jacquets Werk in die Reihe der kinotauglichen Naturfilme ein, wie etwa "Nomaden der Lüfte" und "Deep Blue": Die Natur liefert eben verdammt gute Geschichten.

Ein Manko hat der Film aber doch: die Tonebene. Während der gesamten 86 Minuten verspürt man die unbändige Lust, die Sprecher/innen zu knebeln. Denn was da poetisch gehaucht aus dem Off kommt, raubt den Zuschauenden die Nerven – und der Dokumentation leider eine Menge ihrer Schönheit. Der einsetzende Schneefall wird – Achtung: große Metaphorik! – als "die ersten Tränen des Winters" bezeichnet, das Pinguin-Balzritual mit dem Kommentar "Unser Hochzeitstanz wird den Winterball eröffnen" verkitscht. Und auch der Soundtrack von Emilie Simon, die den Bildern mit ihrer Musik "eine zusätzliche Ebene" zu erschließen meint, klimpert bisweilen eher störend im Hintergrund. Die Devise ist klar: Film ab, Ton aus. Denn auch ohne Wortschmalz weiß man bei Verlassen des Kinosaals: Die Farbe der Liebe ist nicht rot, sondern blau. Eisblau, um genau zu sein.
Barbara Lich

(La Marche de L'Empereur) Dokumentarfilm, Frankreich 2005, Regie: Luc Jacquet, Buch: Luc Jacquet, Jordan Roberts, Kinostart: 13. Oktober 2005 bei Kinowelt

Foto: Verleih, (c) Jérôme Maison / Bonne Pioche


www.empereur.luc-jacquet.com/
Website zum Film (französisch, englisch)

www.diereisederpinguine.de/
Website zum Film (deutsch)

www.german.imdb.com/title/tt0428803/
Infos zum Film in der Internet Movie Database

www.filmz.de/film_2005/die_reise_der_pinguine/links.htm
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