Öffne meine Augen

Liebesdrama

Kinostart: 4.8.2005 | Claudia Hennen | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Das Thema "Gewalt in der Ehe" scheint sich kaum für ein größeres Kinopublikum zu eignen. Nach wie vor gilt es als gesellschaftliches Tabu, gekennzeichnet durch Scham, Schweigen, Wegschauen. Erstaunlich also, dass der neue Spielfilm der spanischen Regisseurin und Schauspielerin Icíar Bollaín über eine von Gewalt zerrüttete Ehe in ihrem Heimatland eine Million Zuschauer/innen in die Kinos lockte und damit 2004 zu den erfolgreichsten Kinoproduktionen Spaniens zählte - freilich gekrönt von einschlägigem Kritikerlob und zahlreichen Goyas, Spaniens höchsten Filmpreisen.
Icíar Bollaín hat das Thema jenseits üblicher Täter-Opfer-Schemata ergründet. Triebfeder ihrer Analyse ist die Frage, warum Frauen in westlichen Industrieländern körperliche und psychische Misshandlungen durch ihre Ehemänner oft jahrelang erdulden, ohne sich zu trennen, geschweige, die Übergriffe anzuzeigen. In "Öffne meine Augen" ist die finanzielle Abhängigkeit der Protagonistin Pilar nur ein Knoten in einem Geflecht aus Minderwertigkeitskomplexen, Versagerängsten und familiär tradierten Gewaltstrukturen. Und doch hofft Pilar, dass sich ihr Mann Antonio, den sie trotz seiner Gewaltausbrüche liebt, ändern könne. Eine vergebliche Hoffnung, wie sich herausstellen wird.

Der Originaltitel des Films "Te doy mis ojos" heißt übersetzt: "Ich schenke dir meine Augen". Diese tiefere Bedeutung wird in einer ambivalenten Liebesszene des Films deutlich, wo sich leidenschaftliche Hingabe als krankhafte Selbstaufopferung erweist, und Pilar schließlich riskiert, auch ihre Seele - oder besser: ihre menschliche Würde - zu "verschenken". Der Film verzichtet auf die Darstellung körperlicher Gewalt, macht aber durch die großartige schauspielerische Leistung der Hauptdarsteller Laia Marull und Luis Tosar psychische Demütigungen und Verletzungen auf eindringliche Weise erfahrbar.
Claudia Hennen

(Te doy mis ojos) Spanien 2003, Regie: Icíar Bollaín, Buch: Icíar Bollaín, Alicia Luna, mit Laia Marull, Luis Tosar, Candela Peña, Rosa Maria Sardà, Kiti Manver, Sergi Calleja, Nicolás Fernández Luna, Elisabet Gelabert, Chus Gutiérrez, Elena Irureta, Kinostart: 4. August 2005 bei Timebandits

Foto: Verleih


www.timebandits-films.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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