Walk on Water

Das Gestern im Heute

Kinostart: 12.5.2005 | Thomas Winkler | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Sie sind schon ein seltsames Paar: Eyal, der toughe Auftragskiller, und Axel, der schwule Sozialarbeiter. Im Auftrag seines Arbeitgebers, des israelischen Geheimdienstes Mossad, spielt Eyal den Reiseführer für das – seiner Meinung nach - "neunmalkluge deutsche Friedenstäubchen". Er soll herausfinden, ob Axel Kontakt zu seinem Großvater hat, einem untergetauchten Alt-Nazi. So fahren sie im Geländewagen durch Israel, besichtigen den See Genezareth und besuchen Axels Schwester im Kibbuz, tanzen in Schwulenbars und verprügeln schließlich, zurück in Berlin, Glatzenträger in den U-Bahngängen des Alexanderplatzes. Längst haben die beiden ungleichen Charaktere, wie es sich gehört für ein Buddy-Movie, auf ihrer Reise zueinander gefunden und voneinander gelernt. Nun müssen sie sich noch den eigenen Dämonen stellen.
Der in den USA geborene, in Israel lebende Regisseur Eytan Fox hat Aufsehen erregt mit "Yossi & Jagger", der Geschichte einer schwulen Liebe in der israelischen Armee. Fast noch tiefgreifender als dieser Erfolg beschreibt "Walk on Water" den aktuellen Zustand Israels: Als Mossad-Agent kämpft Eytan exemplarisch ebenso gegen die aktuellen Bedrohungen durch arabische Terroristen wie gegen die Schatten der Vergangenheit. Zwischen diesen beiden Fronten ist der Idealismus längst einem bitteren Zynismus gewichen: "Das interessiert doch keinen mehr", erklärt er seinem Vorgesetzten, als der ihn auf Alt-Nazi-Jagd schickt. Und Axel begrüßt er am Flughafen mit den Worten: "Sie haben die heutige Bombe verpasst."

Es ist dieser Humor, dank dem Fox alle Untiefen umschifft, die seine schwerblütigen Themen - von Homophobie über Nationalismus bis zum Extremismus – bereithalten und "Walk on Water" zum überfrachteten Rührstück zu degradieren drohen. Ebenso liebevoll wie analytisch ist sein Blick auf das moderne Israel und das sensible deutsch-jüdische Verhältnis, vor allem aber so souverän und selbstverständlich, dass selbst die nicht eben seltenen Ungereimtheiten im Handlungsverlauf kaum mehr sind als ein paar kleine Schlaglöcher in einem rund rollenden Road-Movie.
Thomas Winkler

(Lalecet Al Hamaim) Israel 2004, Regie: Eytan Fox, Buch: Gal Uchovsky, mit Lior Ashkenazi, Knut Berger, Caroline Peters, Gidon Shemer, Carola Regnier, Hanns Zischler, Ernest Lenart, Eyal Rozales, Yousef Sweid, Imad Jabarin, Kinostart: 12. Mai 2005 bei Arsenal

Foto: Verleih


www.walkonwatermovie.com
Website zum Film (englisch, hebräisch)
www.arsenalfilm.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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