In der Spielhölle Las Vegas gilt ein Menschenleben nichts. Gleich die erste Minute des Films macht dies in aller Brutalität unmissverständlich mit einer Abschlachtorgie: Der als Casino-Geschäftsführer Sam “Ace“ Rothstein außergewöhnlich “fancy“ gekleidete Robert De Niro fliegt mitsamt seinem schicken Sportwagen mit vollem Karacho in die Luft. Dazu läuft die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach - ein wahrlich bombastischer und Gänsehaut auslösender Einstieg in ein durchgehend fulminantes filmisches Epos über die Mafia-Machenschaften im Las Vegas der frühen 1970er-Jahre.
True Stories
Der Anfang des Films ist zugleich das Ende der Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Beim Aufstieg der Wüstenstadt Las Vegas zum Zocker-Mekka hatte der “Mob“ massiv die Finger mit im Spiel. Das erste Drittel des knapp dreistündigen Films widmet sich einer umfassenden Einführung in die Interna des Spielbetriebs Tangiers: Hier wird die Kundschaft systematisch ausgenommen, Mitarbeiter und Politiker bestochen, Falschspieler entlarvt und aufs Übelste bestraft und Dollarscheine kofferweise für die "Familie“ beiseite geschafft. Währenddessen rast die Kamera in irrwitzigem Tempo durch das Gebäude bis in die hintersten Winkel, in denen das Geld zum illegalen Abtransport bereit liegt, und stellt dabei sämtliche Protagonisten des Films vor.
Die Liebe - eine Falle?
Der smarte Ace hat seine Geschäfte gut im Griff. Unter seiner Führung steigt der Umsatz des Casinos rapide, sehr zur Freude der Bosse. Doch im Privaten läuft es deutlich weniger rund: Ace hat eine fatale Schwäche für Ginger, eine nach Alkohol, Drogen und Geld süchtige Edelnutte - aber auch eine strahlend schöne und glamouröse Vorzeige-Frau. Ginger liebt ihren prolligen Zuhälter Lester, heiratet aber trotzdem Ace, da dieser ihr mehr Materielles zu bieten hat. Ace, zwar liebevoll und fürsorglich, aber in erster Linie Kontrollfreak, sperrt seine Gattin in den “goldenen Käfig“. Das aber treibt sie zur Verzweiflung und mehrfach zurück in die Arme von Lester, immer mit zig Tausenden von Ace-Dollars in der Tasche. Nie hat die Schauspielerin Sharon Stone ein Rolle facettenreicher und brillanter ausgekostet als die der gleichermaßen durchtriebenen wie auch verletzlichen Ginger.
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