La face cachée de la lune

Annäherungsversuch

Kinostart: 14.4.2005 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Es ist so, als würden sie auf verschiedenen Planeten leben, die sich mit den Jahren immer weiter voneinander entfernt haben: Der Raumfahrt-faszinierte Philippe jobbt in einem Call-Center, versucht aber mit seiner Doktorarbeit weiterzukommen. Doch seiner These, dass der Antrieb der Menschen, ins All zu fahren, reiner Narzissmus wäre, stimmen weder sein Prüfer noch der Wissenschaftlerkollege bei seinem verschlafenen Gastvortrag in Moskau zu. Sein kühl-sarkastischer Bruder André, das extreme Gegenstück zu Philippe, muss sich nicht mit derartigen Erfolglosigkeiten herumschlagen. Er arbeitet erfolgreich als Wetteransager beim Fernsehen und sein Leben verläuft in geregelten Bahnen. Als eines Tages ihre Mutter stirbt, nehmen sie notgedrungen wieder den Kontakt zueinander auf.
Dass sich die Geschichte von "La face cachée de la lune" nur sehr langsam weiterentwickelt, macht Robert Lepage hier nicht nur mit seiner Inszenierung, sondern auch mit seinem starken Doppelspiel wett. Schließlich verkörpert das franko-kanadische Multitalent, das mit dem gleichnamigen Ein-Mann-Theaterstück auch die Vorlage für den Film geschrieben und jetzt bei der Verfilmung auch Regie geführt hat, gleich beide ungleichen Brüder. Während die sich in 105 Minuten wieder etwas näher kommen, gleitet der Film so schwerelos wie Philippe in einem wundervollen Moment am Schluss durch Szenen der Gegenwart, der familiären Vergangenheit und des Weltmacht-Weltraum-Wettlaufs zwischen den Amerikanern und den Russen, der dabei zur Spiegelung des Brüder-Verhältnisses wird. All diese verschiedenen Ebenen verbinden sich zu einem visuell einfallsreichen Bilderfluss mit den für Lepage typischen, genialen Szenenübergängen und aufblitzendem, scharfem Humor, mit anrührender Poesie und sehnsuchtsvoller Melancholie.
Sascha Rettig

La face cachée de la lune, Kanada 2004, Buch und Regie: Robert Lepage, mit Robert Lepage, Anne-Marie Cadieux, Marco Poulin, Céline Bonnier, Gregory Hlady, Yves Amyot, Richard Fréchette, Érika Gagnon, OmU, Kinostart: 14. April 2005 bei Xenix

Foto: Verleih


www.farsideofthemoon.com
Website zum Film (englisch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database




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